Erinnern, gedenken und nachdenken schaffen Orientierung für die Zukunft

Eine Dokumentation zum Gedenken an den Untergang der jüdischen Gemeinde Papenburg-Aschendorf mit Biografien der ermordeten jüdischen Mitbürger.

Gedenkstein Papenburg

Gedenkstein für die ermordeten Juden aus Papenburg und Aschendorf am Hauptkanal links 60.

Das Projekt

Die Grundidee

Die „Stolpersteine" sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenksteinen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Holocaust (Shoa) deportiert, vertrieben und ermordet wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Auf der Messingtafel steht geschrieben: „Hier wohnte …" und darunter der Name, das Geburtsdatum und das weitere Schicksal dieses Menschen. Da die Häuser der Opfer teilweise nicht mehr erhalten sind oder die städtische Struktur seither neu geordnet wurde, kommen einige Stolpersteine auch auf oder vor Freiflächen zu liegen.

Demnigs Intention ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Trotz des Namens Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern". Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen".

Die Initiative in Papenburg und Aschendorf

Die Idee zur Verlegung von Stolpersteinen für die ermordeten jüdischen Mitbürger aus Papenburg und Aschendorf stammt von Schülern und Schülerinnen aus einem Geschichtskurs des Beruflichen Gymnasiums an den Berufsbildenden Schulen in Papenburg. Damit soll an die vierzig Menschen erinnert werden, die während der nationalsozialistischen Herrschaft Bürger der Stadt Papenburg waren und deren Leben vernichtet wurde. Ihre Namen sind auf dem Gedenkstein vor der ehemaligen Synagoge am Hauptkanal verzeichnet.

Eine Arbeitsgruppe, unter der Leitung ihres Lehrers Theo Springub, mit den Schülerinnen Corinna Vinke, Cathrin Kleemann und Jennifer Hunfeld wandte sich im Sommer 2008 mit ihrer Initiative an die Verwaltung und den Rat in Papenburg. Der Kulturausschuss der Stadt beschloss daraufhin einstimmig, dem Antrag der Schülergruppe zu entsprechen und mit Demnig Kontakt aufzunehmen. Ein Arbeitskreis unter der Leitung des Kulturamtsleiters Marco Malorny setzte die Anregung in die Tat um.

Am 16. Juli 2009 hat der Künstler Gunter Demnig die ersten acht Stolpersteine für Aron Engers, Cäcilia Hes, Daniel Hes, Adolf Mindus und die vierköpfige Familie Zilversmit in Papenburg verlegt. Im Beisein von Bürgermeister Jan Peter Bechtluft wurden die Steine an vier verschiedenen Stellen im Stadtgebiet in den Boden eingelassen. Sie befinden sich unmittelbar vor der letzten bekannten Adresse der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

In den folgenden Monaten haben die Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Papenburg in der Friederikenstraße und am Mittelkanal weitere Stolpersteine verlegt. Am 09. November wurde der Stein für Franziska Strauß am Hauptkanal links 26 eingelassen. Am 14. April 2010 erfolgte die Verlegung der Stolpersteine in Aschendorf.

Die letzten Stolpersteine in Papenburg hat Gunter Demnig am 09. August 2010 am Deverweg 1-3 (C&A) für Isaak und Lina Polak im Beisein ihrer Kinder Wilhelm und Ilse Polak eingelassen. Die Beiden waren mit ihren Eltern deportiert worden und haben die Schrecken jahrelanger KZ-Haft überlebt. Wilhelm Polak wohnt heute in seinem ehemaligen Elternhaus am Deverweg. Ilse Polak lebt in New York.

Verlegung und Reinigung der Stolpersteine

Muster Stolperstein

Ein Stolperstein, verlegt am 16. Juli 2009

Eindrücke von der Verlegung und der Pflege der Steine in Papenburg und Aschendorf:

Verlegung Benz Verlegung Wiek Verlegung Zilversmit Verlegung Kripo Verlegung 9. Nov Verlegung Aschendorf Verlegung Aschendorf Schüler Verlegung Polak Verlegung Polak Verlegung Isaak Reinigung Steine Reinigung Steine

Zur Pflege der Stolpersteine

Die Oberfläche der Steine ist mit einer Messingplatte versehen, die mit der Zeit durch Umwelteinflüsse und Verschmutzung dunkler wird, so dass die Inschriften mit der Zeit kaum noch lesbar sind. Die Pflege der Steine in Papenburg haben Schülerinnen und Schüler der BBS-Papenburg übernommen (Kontakt: Herr Markus Priet). Die Steine in Aschendorf werden von Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Middendorf-Oberschule gepflegt (Kontakt: Herr Paul Thoben). Besonders freuen wir uns, wenn Unterstützer des Projektes aus eigener Initiative Stolpersteine in Ihrer Gegend putzen möchten.

Pflegeanleitung (PDF)

Zur Geschichte

... hingeschaut und weggesehen ...

Vom Untergang der jüdischen Gemeinde Papenburg-Aschendorf

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde beginnt im Oktober 1843 mit der Gründung der Synagogengemeinde Aschendorf und endet im Januar 1942 mit der Deportation der letzten noch verbliebenen jüdischen Mitbürger aus Papenburg.

Die Anfänge

Die offizielle Gründung der Synagogengemeinde Aschendorf erfolgte im Oktober 1843. Die Gemeinde umfasste elf Familien mit 62 Familienmitgliedern...

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Ausgrenzung in der NS-Zeit

In Papenburg begann der Boykott am Freitag, den 31. März 1933. SA Männer stellten sich vor die Geschäfte, um die Kundschaft abzuschrecken...

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"Reichskristallnacht"

In Papenburg begannen die gewalttätigen Übergriffe gegen die jüdischen Mitbürger am frühen Morgen mit der Verhaftung aller erwachsenen, jüdischen Männer...

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Flucht und Vertreibung

Die Abwanderung der Papenburger Juden hatte schon 1933 mit Josef Hes begonnen, der über Holland nach Palästina gegangen war...

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Deportation

Am 01. Oktober 1941 wurde ein Auswanderungsverbot erlassen. Überall in Deutschland erhielten die Juden Aufforderungen, sich zur „Evakuierung" einzufinden...

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Was ist des Unschuldigen Schuld?
Wo beginnt sie?
Sie beginnt da, wo er gelassen
mit hängenden Armen, schulterzuckend daneben steht.
Den Mantel zuknöpft, die Zigarette anzündet und spricht:
Da kann man nichts machen.
Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.

(Gerty Spies)

Historische Aufnahmen

Synagoge Papenburg

(Döbber, S. 417)

Historische Aufnahme

(W. Polak, S. 5)

Schülerinnen und Schüler

(U. Eissing, S. 87)
Schülerinnen und Schüler im Garten hinter der jüdischen Schule in Papenburg

Die 40 Stolpersteine

„... ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn auch sein Name vergessen ist ...“
verfolgt ... entehrt ... ermordet

Stolperstein Engers Stolperstein Rahel Grünberg Stolperstein Sophie Grünberg Stolperstein Bertha Grünberg Stolperstein David Grünfeld Platzhalter Stolperstein Stolperstein Ernst Grünfeld Stolperstein Manfred Gerson Grünfeld Stolperstein Hanna Grünfeld Stolperstein Karl Hayum Stolperstein Juliane Hayum Stolperstein Siegfried Hayum Stolperstein Eva Hayum Stolperstein Cäcilia Hes Stolperstein Daniel Hes Stolperstein Friederike Hes Stolperstein Helene Hes Stolperstein Sophie Hes Stolperstein Selma Hes Stolperstein Arno Hes Stolperstein Hannelore Hes Stolperstein Michel Meyer Stolperstein Hanny Meyer Stolperstein Adolf Mindus Stolperstein Isaak Polak Stolperstein Lina Polak Stolperstein Sophie Rothschild Stolperstein Mirjam Rothschild Stolperstein Regina Rothschild Stolperstein Simon Sax Stolperstein Alfred Sax Stolperstein Hermann Sax Stolperstein Hermann Rudolf Sax Stolperstein Klara Sax Stolperstein Josef Sax Stolperstein Franziska Strauss Stolperstein Nathan Moses Zilversmit Stolperstein Minna Zilversmit Stolperstein Emma Zilversmit Stolperstein Friederike Zilversmit

Die Synagoge in Papenburg

Synagoge Papenburg

Die Familien & Verlegeorte

Interaktive Karte der Verlegeorte

Hier wurde eine Karte von Google Maps eingebunden. Mit dem Klick auf "Karte laden" stimmen Sie zu, dass Ihre IP-Adresse an Google übertragen wird.

Auf der Karte finden Sie die Verlegeorte der Steine. Durch Anklicken der Familiennamen darunter erfahren Sie mehr über die Schicksale der einzelnen Personen.

Hauptkanal links 88

(Bauunternehmung Bunte)

Engers, Aron

Biografie (PDF)

Hauptkanal links 68

(vor dem Benz-Bistro)

Hes, Cäcilia & Daniel

Biografie (PDF)

Gasthauskanal rechts 12

(vor der Kriminalpolizei)

Mindus, Adolf

Biografie (PDF)

Wiek links 13

(zwischen den Häusern 13 u. 15)

Zilversmit, Nathan Moses, Minna, Emma, Friederika

Biografie (PDF)

Friederikenstraße 66

Grünberg, Rahel, Sophie, Bertha

Biografie (PDF)

Friederikenstraße 50

(Senioren-Wohnstift)

Grünfeld, David, Rosa, Ernst, Manfred-Gerson, Hanna

Biografie (PDF)

Friederikenstraße 42 (links)

(links der Einfahrt zum Parkplatz)

Hes, Selma, Arno, Hannelore

Biografie (PDF)

Friederikenstraße 42 (rechts)

(rechts der Einfahrt zum Parkplatz)

Rothschild, Sophie, Mirjam, Regina

Biografie (PDF)

Friederikenstraße 26

(neben der Fußgängerampel)

Hes, Friederike

Biografie (PDF)

Deverweg 1-3

(C&A Modehaus)

Polak, Isaak & Lina

Biografie (PDF)

Hauptkanal links 26

(Zoohandlung Thöne)

Strauss, Franziska

Biografie (PDF)

Mittelkanal links 15

Hayum, Karl, Julianne, Siegfried, Eva

Biografie (PDF)

Mittelkanal links 15

Meyer, Michel & Hanny

Biografie (PDF)

Aschendorf, Große Straße 68-70

Hes, Helene & Sophie

Biografie (PDF)

Aschendorf, Von-Galen-Str. 11

Sax, Hermann, Rudolf, Josef, Simon, Alfred, Klara

Biografie (PDF)

Dokumente & Historisches

Zeitungsberichte (Ems-Zeitung)

Berichte über die Stolpersteine in Papenburg und Aschendorf.

EZ 10.06.2008 EZ 12.06.2008 EZ 17.07.2009 EZ 23.07.2009 EZ 10.11.2009 EZ 14.04.2010 EZ 05.08.2010 EZ 09.08.2010 EZ 26.01.2011

Audio: Radio Ostfriesland

Interview zum Thema Stolpersteine mit Schülerinnen und Schülern der Heinrich Middendorf-Realschule Aschendorf.

Interview anhören / laden (.wma)

Historische Karten

Historische Wohnorte der jüdischen Mitbürger.

Häuser in Papenburg Häuser in Aschendorf

Historische Bilder & Orte

Bilder zum Vergrößern anklicken.

Doebber S. 420 Doebber S. 409 Chanukkaleuchter Tal der Gemeinden Yad Vashem Gedenkstein Aschendorf Van-Galen-Str 11 Große Straße 68 Friederikenstr. 42 Friederikenstr. 26 Friederikenstr. 50 Friederikenstr. 66 Deverweg 1-3 Elternhaus Polak Hauptkanal links 26 Synagoge Papenburg Hauptkanal links 68 Hauptkanal links 88 Gasthauskanal 12 Wiek links 11-13 Mittelkanal links 15

Quellen & Links

Literatur & Eigene Dateien

Eissing, Uwe: Die jüdische Gemeinde Papenburg-Aschendorf im Spiegel der Zeit, Papenburg 1987

Eissing, Uwe: Woche der Begegnung, Papenburg 1987

Polak, Wilhelm: Erinnerungen an Papenburg und eine unfreiwillige Reise, Papenburg o.J.

Thoben, Paul: Stolpersteine in Aschendorf (PDF)

Impressum & Kontakt

Angaben gemäß § 5 DDG

Lars Strohschnieder
Splitting rechts 120
26871 Papenburg

Kontakt

Telefon: 04961 - 833503
E-Mail: stolpersteine@strohschnieder.de

Verantwortlich für den Inhalt nach § 18 Abs. 2 MStV

Lars Strohschnieder
Splitting rechts 120
26871 Papenburg

Danksagung

Die Inhalte dieser Website wurden von meinem engagierten Kollegen Theo Springub mit Liebe und Sorgfalt recherchiert. Dabei hat er als Politik- und Geschichtslehrer stets gegen das Vergessen gekämpft. Für dein Engagement, lieber Theo, vielen Dank.

Leider ist Theo viel zu früh von uns gegangen.


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